Zweites Buch
Herrscher Gross- und Klein-Luristan's
Von den Fürsten, welche dem neuen Ilchan oder Landesherrn
nach Bagdad's Eroberung zu huldigen kamen, ist bereits des
Salghuren von Fars und des Seldschuken von Rum, sowie des
Atabegen von Mossul, Bedreddin Lulu's, welcher bei Irbil's
Eroberung hilfreiche Hand geleistet, Erwähnung geschehen, und
es wird von ihnen noch weiter unten die Rede sein; doch hier
ist noch von anderen Fürsten zu melden, deren Staaten nun in
unmittelbarer Berührung mit der mongolischen Macht, derselben
sich nur scheinbar oder erst durch Gewalt gezwungen
unterworfen; solche waren die Atabege von Gross- und
Klein-Luristan, die Könige Gross- und Klein-Armeniens, endlich
die Sultane Syriens und Aegyptens. Die ausführliche Erzählung
des wider die letzten geführten syrischen Krieges ist dem
folgenden Buche vorbehalten; hier also nur kurz von den
Atabegen und den christlichen Fürsten. Tekele, der Sohn
Hesarsif's, der dritte Herrscher der im Geburtsjahre
Tschengischan's vor einem Jahrhunderte als unabhängig
emporgeschossenen Dynastie der Atabege von Gross-Luristan,
war, als Hulagu gegen Bagdad zog, demselben huldigend
entgegengekommen und von ihm dem Tomane Keitbuka Newin's, des
Befehlshabers des Vortrabes, zugetheilt worden. Nicht im
Stande, die Aeusserungen seines Schmerzes über den Sturz des
Chalifats und den Mord der Bewohner Bagdad's zu unterdrücken,
hatte er sich durch dieselben die Ungnade Hulagu's zugezogen,
der Truppen wider ihn sandte. Schemseddin Alp Arghun, der
Bruder Tekele's, bot sich dem Bruder an, sich selbst in's
Lager des Ilchans zu begeben, um dessen Verzeihung zu
erflehen. Tekele nahm den Antrag dankbar an. An der Gränze
Luristan's fiel Alp Arghun den mongolischen Truppen in die
Hände, deren Heerführer ihn trotz seiner Sendung als
Unterhändler tödteten. Tekele vertheidigte sich in dem
Schlosse Mandschascht und ergab sich erst, als ihm durch
Sendung des Ringes Hulagu's sicheres Geleite versprochen ward.
Nichtsdestoweniger ward er nach Tebris geschleppt und dort
hingerichtet und die Herrschaft Grossluristan's dem mit dem
hingerichteten Bruder Tekele's gleichnamigen Schemseddin Alp
Arghun verliehen. In Klein-Luristan war die Herrschaft der vor
siebzig Jahren unabhängig gegründeten Dynastie in den Händen
des vierten Herrschers, Bedreddin Mesud, welcher, als er sich
auf dem Feldzuge Hulagu's gegen Bagdad zum Dienste desselben
stellte, von ihm die Auslieferung seines Schwagers und
mächtigen Nebenbuhlers um den Thron, Suleimanschah's,
begehrte. Hulagu antwortete: Diess ist ein grosses Wort,
dessen Gewährung bei Gott. Als aber Bagdad erobert und
Suleimanschah erschlagen worden war, erhielt Bedreddin Mesud
die von ihm begehrte Familie des Schwagers. Er behandelte
dieselbe so gütig und beförderte durch weise und gerechte
Regierung den Wohlstand des Landes so sehr, dass, als er ihnen
später die Wahl liess, ob sie in Luristan bleiben, oder nach
dem aus der Asche sich wieder erhebenden Bagdad wandern
wollten, nur Wenige dahin auswanderten; ein gerechter,
eingezogener und besonders der Ueberlieferungen wohl kundiger
Fürst. Die auserwählte Geschichte rühmt an ihm, dass er nie
unrechtmässigen Beischlaf gepflogen und dass er viertausend
juridische, nach den Grundsätzen des Ritus Schafii
entschiedene Rechtsfragen auswendig gewusst. Nach seinem, nun
zwei Jahre nach dem Falle Bagdad's erfolgten Tode stritten
sich um die Herrschaft Klein-Luristan's seine Söhne
Dschemaleddin Bedr (Schönheit der Religion, Vollmond) und
Nassireddin Omer mit Tadscheddin Schah, dem Sohne des in der
Schlacht wider Suleimanschah gebliebenen Hosameddin Chalil.
Dieser Streit ward erst unter Abaka, dem Sohne und Nachfolger
Hulagu's, durch das wider die Söhne Bedreddin Mesud's
ausgesprochene Todesurtheil blutig entschieden. Der Thron
Klein-Luristan's wurde dem Sohne Suleimanschah's, Tadscheddin,
zugesprochen, welcher denselben sieben Jahre lang behauptete,
welcher dann aber den beiden Brüdern der hingerichteten beiden
Söhne Bedreddin Mesud's, dem Felekeddin Hasan und Iseddin
Husein, zugesprochen ward. |