Zweites Buch
Dynastien des nördl. Persiens, Armeniens, Georgiens u.
Kleinasiens.
Regierungsantritt Hulagu's; seine Familie; Feldzug nach
Persien wider die Schlösser der Assassinen und Bagdad;
Rückblick auf die Chalifen und die Emirol-umera,
Moteaassimbillah, der letzte Chalife; Alkami der Wesir;
Belagerung, Eroberung und Verwüstung Bagdad's; Hinrichtung des
Chalifen Melik Moaasem Mosaffereddin; der Herrscher von Irbil,
Stifter der Geburtsfeier des Propheten; die damaligen
Herrscher Gross- und Klein-Luristan's und Gross- und
Klein-Armenien's.
Hulagu.
Hulagu oder, wie die Mongolen den Namen schreiben und
sprechen, Chulagu war der fünfte Sohn Tuli's, des jüngsten
Sohnes Tschengischan's aus der Frau Sijurkukteni, der Nichte
Owangchan's, welche ihm vor Hulagu den ersten Mengku, den
vierten Kubilai, und Arikbuga, den siebenten seiner neun
Söhne, geboren. Als vor sechs und zwanzig Jahren (zwei vor
seinem Tode) Tschengischan das letztemal in seinen Jurt
zurückgekehrt, um das grosse, durch Jagden gefeierte Kurultai
der Familie zu halten, bei welchem alle Söhne mit ihren Frauen
und Kindern erschienen (den ältesten Dschudschi ausgenommen,
der seiner statt nur ein herrliches Geschenk von Pferden
gesandt), kamen ihm die beiden Enkel, Kubilai und Hulagu,
jener zehn, dieser neun Jahre alt, mit dem ersten Wilde, das
sie erjagt, jener mit einem Hasen, dieser mit einem Rehe
entgegengelaufen. Tschengischan vollzog an ihnen beiden den
mongolischen Jagdgebrauch der Fetteinschmierung, welcher darin
besteht, den Jünglingen oder Knaben, welche das erste Wild
erlegt, den Daumen mit dem Fette und Fleische desselben
einzuschmieren, was als eine günstige Vorbedeutung für die
künftige Laufbahn der beiden Prinzen mit Festen gefeiert ward;
in jedem Falle eine minder unmenschliche Vorbedeutung als die
Handvoll geronnenen Blutes, mit welcher Tschengischan, zur
Welt gekommen, die er erobernd in Blut getränkt und die so
grausam in Erfüllung gegangen; auch diese vom Grossvater
Welteroberer selbst vollzogene Fetteinschmierung ging an
beiden Enkeln, künftigen Herrschern, Eroberern und Stiftern
von Dynastien in Erfüllung, indem Beide sich Reiche
erbeuteten, der Jäger des Hasen das chinesische, als Stifter
der mongolischen Dynastie der Juan, und Hulagu das persische,
als Gründer der Dynastie der Ilchane. Hulagu war nun fünf und
dreissig Jahre alt, in voller Reife männlicher Kraft, von
welcher das Dasein von zehn Söhnen, die ihm von vierzehn, die
er hatte, in diesem Alter bereits geboren waren, sprechender
Beweis. Wir können also die Zahl seiner Frauen und Kinder,
welche die Biographie sonst gewöhnlich am Ende des
beschriebenen Lebens aufnimmt, am bessten sogleich
überblicken, weil die grösste Anzahl derselben schon
vorhanden, und die Namen der in der Folge vorkommenden Frauen
und Kinder dann keiner weiteren Einführung bedürfen. Hulagu
hatte sechs Frauen Gemahlinnen, aus deren vieren ihm sechs
Söhne und drei Töchter, indem die anderen acht der zweimal
sieben Söhne und die anderen vier der sieben Töchter aus zwölf
Beischläferinnen geboren wurden, welche die Geschichte aus der
grossen Zahl derselben nennt, weil sie Mütter von Prinzen oder
Prinzessinnen. Von diesen zwölf Beischläferinnen waren drei
aus dem Lager der ersten seiner Gemahlinnen, der grossen Frau
Tokus, und vier aus dem Lager seiner fünften Gemahlin, der
Konghuratine Kutui Chatun, ein Umstand, der vielleicht weniger
für ihre Bereitwilligkeit, dem Gemahle gefällig zu sein, als
für ihren guten Geschmack, sich mit schönen Sklavinnen zu
umgeben, beweiset; die Beischläferinnen werden am
schicklichsten mit den Namen der Söhne und Töchter, durch
welche der ihrige in der Geschichte in Vorschein gekommen,
genannt werden; aber der sechs Gemahlinnen wollen wir zuerst
und besonders erwähnen, weil dieselben als Frauen des grössten
Ansehens und Einflusses genossen; als Frauen Gemahlinnen
trugen sie den hohen pyramidenförmigen, mit herabfallendem
Schleier bedeckten mongolischen Kopfschmuck Baghtak, dessen
Namen die europäischen Reisenden in Botta, die Venezianer in
Baiuta verstümmelt haben.