Zweites Buch
Hulagu's Aufbruch.
Von zehn Söhnen, von denen Hulagu in seinem fünf und
dreissigsten Jahre Vater, nahm er auf dem Zuge nach Persien
den erstgeborenen, Abaka, und den dritten, Juschmut, mit sich,
trug dem zweiten, Dschumkur, im Lager des Bruders Kaan's als
seinem Agenten und seinem Bruder Temkjan in seinem Jurte die
Besorgung der Geschäfte auf; ausserdem aber begleiteten ihn
noch sein jüngster Bruder Suntai, der neunte Sohn Tuli's, dann
aus dem Uluse Dschagatai Tekuder, der Sohn Dschudschi's, des
erstgeborenen Sohnes Dschagatai's; aus dem Uluse Dschudschi's
(mit seinem ebengenannten gleichnamigen Neffen nicht zu
verwechseln) der Enkel Bulghai, der Sohn Scheiban's, des
fünften Sohnes Dschudschi's; Kuli, der Sohn seines
Erstgeborenen Orda, und der Urenkel Kotur, der Sohn Mongkadr's,
des Sohnes seines siebenten Sohnes Tewel; endlich Buka Timur,
der Sohn Dschidschegan's, der Tochter Tschengischan's, welche
an Turaldschi, den Sohn Kutuka's, des Fürsten der Uirat,
vermählt, der Stiefbruder von Kubak Chatun und Oldschai Chatun,
der zwei Gemahlinnen Hulagu's; von diesen begleiteten ihn in's
Feld die grosse Frau Tokus Chatun, dann Jisut Chatun, die
Mutter des erstgeborenen Abaka und Oldschai, aus welcher ihm
zwei Jahre hernach sein eilfter Sohn Mengku Timur geboren
ward; also in Allem neun Prinzen von Geblüte, nämlich: Hulagu,
seine Söhne Abaka und Juschmut, sein Bruder Suntai, sein
Stiefschwager Buka Timur, der Neffe Tekuder; die Vettern:
Bulghai, Kuli und Kotar. Des Bruders Kaan's Auftrag vom
Kurultai, auf welchem die Eroberung der Länder im Osten und
Westen durch Kubilai Chan und Hulagu Chan beschlossen worden
war, lautete an diesen: die Burgen der Assassinen zu brechen;
dem Chalifen das Joch der Unterthänigkeit aufzulegen; in Allem
sich mit der Frau Tokus Chatun zu berathen. Die Heere, welche
schon früher unter Baidschu Nujan und Dschurmaghun nach
Persien gesendet worden waren, wurden nun dem Befehle Hulagu's
untergeben; so auch die an der indischen Gränze, erst von Dür
Nujan und hernach vom Tataren Sali Nujan gegen Kaschmir
befehligten, welche während des Feldzugs Hulagu's in Persien
demselben den Rücken decken sollten. Durch das ganze Reich
ging der Befehl, von jeden zehn Mann zwei für den Feldzug nach
Westen zu stellen; nach China wurden Eilboten gesendet, um
tausend Familien von Feuerwerkern und Naphthaschleuderern
aufzubieten; von Karakorum bis an die Ufer des Oxus wurden
alle Weiden für die Fütterung der Reiterei in Beschlag
genommen, alle Flüsse mit Brücken versehen und die Strassen
für das Heer gänge gemacht; überall sollte Mehl und Wein als
Mundvorrath in Bereitschaft seyn; Baidschu und Dschurmaghun
erhielten den Befehl, von Persien gegen Kleinasien
vorzurücken; den Vortrab bildete der Naimane Keitbuka, vormals
Bawerdschi, d. i. Tafeldecker, mit zwölftausend Türken,
welcher, bis die Rüstungen vollendet waren, den Marsch nach
Kuhistan antrat, um dasselbe indessen zu verheeren. Nachdem
die Rüstungen binnen Jahresfrist vollendet waren, wurden zum
Abschiede Feste veranstaltet, die begleitenden Prinzen und
Frauen mit Geschenken überhäuft, im letzten Monde des Jahres
sechshundert und ein und fünfzig der Hidschret, d. i. im
Februar des Jahres 1254, der Marsch nach Persien angetreten;
derselbe ging von der Residenz Karakorum sieben Tage lang über
das Schneegebirge des Changai nach dem Flusse Hoen Murin, über
den mit Ruderschiffen gesetzt ward, einige Tagreisen später
über den Arungu, der in den See Kisilbasch, d. i. Rothkopf,
fällt; weiter hin waren Reisfelder und die Berge mit
Lerchenbäumen bewachsen. Im Norden der Stadt, welche der
chinesische über diesen Marsch abgestattete Bericht Pfuhle
nennt, liegt ein Berg, von welchem der Wind oft mit solcher
Heftigkeit herabstürzt, dass er Reisende in den See weht;
durch einen engen Pass, gleich einer fliegenden Brücke, öffnet
sich der Weg nach Almaligh, einer Stadt voll fliessender
Brunnen, und deren Einwohner Türken, vermischt mit Chinesen.
Hier kam ihm Frau Hirghana, die Gemahlin Kara Hulagu's, des
Sohnes Muwatukan's, des vor Bamians Mauern gefallenen zweiten
Sohnes Dschagatai's, bewillkommend entgegen und bewirthete ihn
mit Festen. Hirghana oder Hurkana war die Enkelin
Tschengischan's, aus der an den Uiraten Turaldschi vermählten
Tochter Dschidschegan, und folgte der Stiefschwester, der Frau
Oldschai, welche in der Begleitung Hulagu's. Bei dem Eintritt
in Turkistan kam ihm Mesud, der Sohn von Jelwadsch,
bewillkommend entgegen; während des Sommers wurde dem Heere in
Turkistan Rast gestattet und in der herbstlichen Tag- und
Nachtgleiche vor Samarkand auf der schönen Ebene von Kjanigül,
d. i. die Fundgrube der Rosen, gelagert. |