Zweites Buch
Hulagu's Marsch nach Bagdad.
Die Anordnung der verschiedenen Heereskörper, welche
vermöge Hulagu's Befehl nun Bagdad von allen Seiten
umzingelten, ist eines der schönsten Zeugnisse für Hulagu's
grosses Feldherrntalent. Dschurmaghun und Baidschu Nujan, die
beiden in den persischen Feldzügen ergrauten Feldherrn,
welchen aber seit Hulagu's Eintritt in Persien ihr Standort in
Kleinasien angewiesen worden, befehligten den rechten Flügel,
der, von Irbil und Mossul heranrückend, über die Brücke von
Mossul ging und sich auf der Westseite von Bagdad niederliess.
Mit ihnen vereinten sich die Prinzen Bulgha, Kuli, Kotar (der
Enkel Batu's) und die persischen Buka Timur und Sundschak
Nujan, welche die Strasse von Schehrsor über Dakuk heranzogen.
Keitbuka, der Befehlshaber des Vortrabs beim Einmarsche
Hulagu's in Persien, mit Kurusun und Ilka kamen mit dem linken
Flügel von Seite Luristan's und Chusistan's. Hulagu selbst
stand mit dem schweren Gepäcke des ganzen Heeres im
Mittelpunkte zu Hamadan und brach in den ersten Tagen des
Januars des Jahres tausend zweihundert acht und fünfzig,
gerade zwei Jahre nach dem Uebergange über den Oxus, gegen den
Tigris über Kermanschahan und Holwan auf. In seinem Geleite
die grossen Emire Köke Ilka und Arghunaga, die beiden
Bitekdschi (Kanzler) Karakai und Seifeddin, der Staatssekretär
Alaeddin Athamülk von Dschuwein, der grosse Geschichtschreiber,
und Nassireddin von Tus, der grosse Astronom; jener, um die
Thaten und Begebenheiten des Feldzugs zu beschreiben, dieser,
um die durch den Lauf der Gestirne angezeigten günstigen
Stunden anzugeben; jener die Feder, dieser der Zeitmesser des
Feldzugs. Von Esedabad aus sandte Hulagu abermal einen
Gesandten nach Bagdad, um den Chalifen zur Uebergabe
aufzufordern, und zu Deinewer erschien abermal Ibnol Dschewsi,
der Gesandte des Chalifen, mit dem Antrage: die Summen, welche
Hulagu aussprechen würde, jährlich in dessen Schatz
abzuführen, und mit der Bitte: dass das Heer zurückkehren
möge. Hulagu antwortete: Da wir schon so weit gekommen, um den
Chalifen zu sehen, wie sollen wir nun umkehren, was nach
persönlicher Zusammenkunft geschehen mag. Von Deinewer ging
der Marsch über Kuh Girdaa, und am siebenten Tage nach dem
Aufbruche von Hamadan ward Kermanschahan geplündert und
verheert. Von hier wurden Eilboten abgefertigt, um die Ankunft
von Sundschak, Baidschu und Suntai zu beschleunigen; sie
warteten zu Takkesrai und brachten als Gefangene den Ibek von
Haleb und Seifeddin Melik mit sich, welche sie streifend
aufgegriffen. Hulagu schenkte Beiden das Leben und machte sie
zu Dienern der Schildwachen[296]. Die Emire wurden, mit
schmeichelhaften Beweisen von Gunst und Freigebigkeit
überhäuft, zurückgesendet, um auf das Eheste den Uebergang
über den Tigris auf der westlichen Seite von Bagdad zu
bewerkstelligen. Von dort holten die Verräther des Heeres des
Chalifen die beiden Chuaresmier Kara Sankor und Sultandschuk,
die Befehlshaber der mongolischen ein; Kiptschak schrieb an
den ersten: Du und ich sind von Einem Stamme (Türken); wir
haben uns unterworfen und befinden uns gut dabei, thuet
desgleichen. Kara Sankor antwortete in dem Sinne des
Astronomen Hosameddin: Wie sich ein neu aufgeschossener Zweig,
wie die Herrschaft der Mongolen, mit dem schon ein halbes
Jahrtausend wurzelnden Stamme des Chalifats messen könne? Wenn
sich Hulagu unterwerfen wolle, würde man trachten, durch
Vermittelung des Diwitdars den Frieden vom Chalifen zu
erwirken. Hulagu, als man ihm dieses Schreiben brachte, lachte
darüber und sagte: Meine Hilfe kommt von Gott und nicht vom
Gold; wenn er mir hilft, was kümmert mich die Zahl der Heere
des Chalifen. |