Zweites Buch
Tus, Bostam, Aufforderung an Chuarschah.
Hulagu stieg zu Tus im Garten Arghun's im goldenen Zelte
ab, welches dieser auf ausdrücklichen Befehl des Kaan's für
Hulagu nach dem Muster der grossen goldenen Zelte des Kaan's
bereitet hatte; von da begab er sich nach dem Garten
Manssurije, welchen Arghun von seiner Verwüstung wieder
hergestellt. Hier brachten die Frauen Arghun's und Iseddin
Tahir's Proviant dar; den nächsten Tag begab sich Hulagu nach
der Ebene von Radgjan, wohin von Merw, Jesrud und Dehistan
Wein und Lebensmittel im Ueberflusse zugeführt worden;
hierauf nach dem seit der Ankunft der Mongolen verwüsteten
Flecken Chabuschan. Hulagu befahl, denselben wieder
herzustellen, liess Kanäle graben, eine Fabrik bauen und neben
der Moschee einen Garten anlegen; den Emiren wurde befohlen,
dort Häuser zu bauen, und dem Wesir Seifeddin die Leitung und
Oberaufsicht des Baues aufgetragen. Die drei Gesandte, welche
an Chuarschah, den Grossmeister der Assassinen, abgesandt
worden, kamen unverrichteter Dinge zurück, und es ward daher
sogleich der Befehl zur Verheerung des Landes gegeben. Acht
Tage hierauf stand das Lager zu Bestam, der östlichsten der
drei Hauptstädte der Landschaft Kumis (die beiden anderen sind
Demghan und Semnan). Bestam, eine alte, schon in der Hälfte
des dritten Jahrhunderts der Hidschret durch Erdbeben
verwüstete Stadt, dankt ihren Ruhm vorzüglich der Grabstätte
des zwanzig Jahre hernach gestorbenen grossen mystischen
Scheichs Bestami, dem Stifter des nach ihm genannten Ordens
der Derwische Bestami; später ward dieselbe noch als die
Geburtsstadt zweier anderer grossen Gelehrten verherrlicht,
der eine Abderrahman Ben Mohammed Bestami, der in der Hälfte
des fünfzehnten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung,
Verfasser von vierzig Werken, starb, und Ali Ben Medschdeddin
Bestami, welcher, berühmt unter dem Namen Mussannifek, d. i.
der kleine Compositor, sich in der osmanischen Geschichte
keinen minderen Namen durch seine zwanzig Werke, als durch
seinen Fanatismus erworben, welcher ihn dazu antrieb, an dem
gefangenen letzten König von Bosnien selbst das Amt des
Henkers zu vollstrecken. Von Bestam aus sandte Hulagu abermal
zwei Gesandte an den Grossmeister der Assassinen mit Drohungen
und Verheissungen. Bei demselben befand sich der grosse
Astronom Nassireddin mit zwei berühmten Aerzten, welcher, in
die Macht der Assassinen gefallen, eine Zeit lang bei Nassir,
dem Gebietiger von Sertacht, verweilet, jetzt der Arzt und
Rath des neuen Fürsten der Assassinen. Nassireddin beschloss
mit seinen Collegen, dem Gräuel der Assassinenherrschaft ein
Ende zu machen, indem sie zum freundlichen Empfange des
Botschafters Hulagu's riethen. Chuarschah befolgte ihren Rath
und sandte mit den freundlich empfangenen Botschaftern
Hulagu's seinen Bruder Schehinschah und den Chodscha
Assileddin von Susen, um seine Unterwerfung dem Hulagu
darzubringen. Hulagu empfing sie freundlich und sandte
abermals vier Botschafter mit dem Begehren, dass, wenn die
Unterwerfung aufrichtig, Chuarschah die Schlösser brechen und
selbst am Hofe des Chan's erscheinen möge. Chuarschah
antwortete: wenn mein Vater widerspenstig war, will ich
unterwürfig sein; er fing an, an einigen Schlössern, wie
Meimundis, Lemsir und Alamut, Zinnen, Thore und Mauern
abbrechen zu lassen, begehrte aber die Frist eines Jahres bis
zu deren gänzlichen Uebergabe. Die Frist nicht gewährend, bot
Hulagu seine Heere auf und zog von Bestam aus wider die
Schlösser; der rechte, von Köke Ilka und Tukatimur befehligte
Flügel zog auf der Strasse von Masenderan, der linke, unter
dem Befehle des Prinzen Tekuder Aghul und Keitbuka Nujan's,
auf der Strasse von Chuar und Semnan; Hulagu, im Mittelpunkte
mit einem Toman, d. i. mit zehntausend Wackeren, zog gegen
Firuskjuh, d. i. den Glücksberg, auf welchem heute die Ruinen
des Schlosses der Assassinen für eine Windmühle und ein Bad
aus der Zeit Alexander's des Grossen gelten. Er sandte
abermals Aufforderung an Chuarschah, sich unmittelbar zu
ergeben. Als die Fahnen der Mongolen bereits vor Firuskjuh,
kamen die Gesandten und mit ihnen der Wesir und traute
Gesellschafter Chuarschah's Keikobad zurück. Er bat im Namen
seines Herrn noch einmal um Frist eines Jahres bis zum
gänzlichen Auszuge und um die Schonung Lemsir's und Alamut's,
der ältesten Burgen ihrer Herrschaft; er sandte
Kabinetsbefehle an die Gebietiger von Girdkjuh und Kuhistan,
sich sogleich zu unterwerfen, und hoffte so den Sturm zu
beschwören. |