Der Buchstabe Re
(Ghaselen 25-67)
25.
Der Liebende, der liebentbrannt und nackt herumgeht,
Ist ein Abdal, der in der Welt verwirrt herumgeht.
Umstricket ist des Sultans Fuß vom Band
der Herrschaft,
Der Derwisch ist ein Sultan, welcher frey herumgeht.
Als Neumond ist das Schelmenaug' mir
aufgegangen,
Das in der Stadt als Unheil kreiset und herumgeht.
Die Schönen lernen erst von Dir den Kopf
zu schaukeln,
Sieh', wie der zarte Knab' jetzt schwanket und herumgeht!
Sieh', wie der Herbstwind geht verheerend
durch die Blätter!
Wie Baki, so verheeret von Deinem Gram, herumgeht!
26.
Goldne Krone hat der Himmel aufgesetzt,
Goldnen Mond von den Moscheen aufgesetzt;
Wie die Schönen prangen
jetzt in neuen Kleidern,
Hat der Frühling sich das Kleid mit Schmuck besetzt.
In der Schenke hat der
Wein den Trunknen jedem
Eine Krone eines Herrschers aufgesetzt.
Reiche Deine Hand her
mit dem Becher Wein,
Weil, wo Rosen blüh'n, auch stets der Dorn verletzt.
Wie der Morgen röthet
Baki sich vom Weine,
Von dem süßen, den die Zeit ihm aufgesetzt.
27.
Weder treuern Freund als Wein den rothen hab' ich,
Weder froh'res Glas als Schenkenwinkel hab' ich.
Bin ich stets
betrunken, wollet mich nicht schmähen,
Einen Schmerz, vertreibbar nur im Rausche, hab' ich;
Schmerzenskund'ge
sagten: Trennungsgram begeistert;
Soll ich meinen schildern, Welten vor mir hab' ich;
Wenn die Wangen scheut
der Diw der Nebenbuhler,
Ruft er: Höchste Schönheit, dich gefunden hab' ich;
Baki, froher Sinn kann
immer dir genügen,
Denn den Becher Dschemschid's in den Händen hab' ich.
28.
Bei Deinem Trennungsdolch so Seel' als Herz erzittert,
Wie wenn der Herbstwind weht, der Bäume Blatt erzittert.
Es weis't nach Deinem
Gau wie Zeiger im Compaß
Mein nacktes Herz, das vor dem Gram der Wimpern zittert;
Des Kopfbunds goldner
Saum, der Deine Wange küsset,
Auf selber wie das Gold im Herz' der Rose zittert;
Glaub', Baki, nicht es
sey das Hemd das an ihm zittert;
Es ist der Sonne Schein, der auf dem Monde zittert.
29.
Ländern dünkten Seine Härten lieblich,
Mir auch dünken Seine Härten lieblich;
Kohol*
brauch' ich nicht für's Auge,
Staub der Füße dünkt mir lieblich.
Ein Spital ist Gau des
Freundes,
Wo es krank zu seyn ist lieblich.
Mehr als Huris und als
Engeln**
Dünkt der Schöne*** jedem lieblich.
Baki wünscht nicht
andres Mittel
Ihn heilt Deine Härte lieblich.
* Die Augenschminke
** Die Knaben des Paradieses, deren eigner Name
den Europäern weniger bekannt ist als der der Huris
*** Wörtlich: Jedem Liebenden sein ungetreuer Freund
30.
Die Wange Gluth, der Flaum das Maal das Rauchwerk sind*,
Die vielgekraus'ten Haar' am Rauchfaß Ringel sind.
Zum Kopfe steigt der
blaue Rauch der Seufzergluth,
Indeß die schwarzen Locken Dir zu Füssen sind;
Die Ambralocken, die
von dieser Höhe fallen,
Der Schatten von Cypressen und von Pinien sind.
Ghaselenaug', das Herz
flieht Deine Wimpern nicht,**
Es ist ein Löw', dem Schwerter nur anlockend sind.
Ist deine Feder nicht
der rothe Schwefel***, Baki,
Da deine Verse nur das Gold das reinste sind?
* Das Rauchwerk von Moschus und
Ambra.
** Wörtlich: Es ist ein tapferer Löwe,
der sich in die glänzenden Schwerter stürzt
*** Der Stein der Weisen, der alles in Gold verwandelt.
31.
Das Herzensblut im Becher rothen Weines ist!
Der Bau der Lust fürwahr sehr selten Schenke ist!
Das Herz stürzt sich
aus Lust in's Kerzenlicht der Wangen,
Weil es ein Schmetterling, der Gluth nicht scheut, ist.
Hoff' nicht, o Herz,
Bestand vom Glashaus dieser Welt,
Indem dasselbe oft vererbet worden ist.
Wiewohl dem Scheine
nach von blauem Porzellan,
Sie dennoch nichts als Gluth voll blauen Rauches ist.
Senk', Baki, nicht das
Haupt, die nied're Welt zu bitten,
Suleiman's Pallast dir Haus und Zuflucht ist.
32.
Dem Mundrubin das Glas des Weins ergeben ist,
Der Kuß, den er erhält, der Preis vom Leben ist.
Es band sich zu den
Mund der Schelm und sagte dann:
Für meines Tisches Gast dieß Zins der Zähne ist.
Als schwarzer Flor
verhüllt der Flaum den Reiz der Wangen,
Daß unsichtbar der Herr ein wahres Unglück ist.
Auf Höhen schlägt den
Sitz der Falk' der Liebe auf,
Auf meinem Kopf Sein Huf das Nest des Falken ist.
Es flieget in dem Wort'
dir, Baki, keiner gleich,
Dein hoher Sinn der Paradiesesvogel ist.
33.
Durch Wangenwiderschein mein Blick voll Rosen ist er?
Durch Deinen hohen Wuchs mein Sinn erhaben ist er?
Es weint ob Deinem Gram
das Herz, es weint der Geist,
Der Springquell auf der Flur von meinen Thränen ist er?
Die Schau der Rosenflur
beruhiget mich nicht,
Der Zweck von des Geliebten Ruh', die Seele ist er?
Der Sonnenbecher der
auf stählner Himmelssphäre
Alltäglich kreis't, ein Funke meiner Seufzer ist er?
Korallenast im
Thränenmeer des Auges Baki,
Von dem Syringenwuchs vielleicht ein Abglanz ist er?
34.
Schenke! Weinglas schön zur Rose wird,
Wer es angreift zum Bülbüle wird.
Frisches Brandmaal auf
dem alten Kopf,
Wahrlich schön zu einer Nelke wird.
Blauer Seufzerrauch ob
Gram der Locken
Zur lazurnen Hyacinthe wird.
Wer umgeht des Freundes
Lockenfaden,
Von demselben doch gebunden wird.
Wird dem Baki nicht
Genussesfluth,
Er durch Trennungsgluth zu Asche wird.
35.
Betrunkne sah'n dem Wein wie Blasen in's Gesicht,
Sie flossen hin wie Wein dem Schenken vor's Gesicht.
Des Morgentrunkes
Schiff treibt noch umher in Brandung,
Wiewohl es befestiget ward mit Seilen dicht;
Bloß daß der Kahn des
Glücks im Brand aufflammen möge,
Sind die Verläumder auf den Herrn der Welt erpicht.
Es sprachen drob
erzürnt die Wohlgebildeten,
Den Kopf Verläumdern durchzunageln schadet nicht.
Des Schah's
Gerechtigkeit verbrannte Aloe,
Damit die Welt durchdüfte Baki's Lobgedicht.
36.
Des Gaues Bettler ward befangenes Herz, o schau!
Es hat befallen Herrschaftsgier den Bettler, schau!
Ob Moschus wie Sein
Maal zu finden in Choten,
Durchwandre Sina's und Chataja's Feld und schau!
Mit Deinem Haar in
Hand, bekleidet mit Wolle,
Fliegt der Efendi auf als Königsgeyer, schau!
Was ist des Spiegels
Reinigkeit, was die Gestalt?
Die Reinigkeit des Spiegels Seiner Schönheit schau!
Es ging als frommer
Mann auf diesem Felde Baki,
Da traf ihn gäh der Liebe Pfeil, das Unglück schau!
37.
Der Staub von Deiner Thüre wird Lebensquell genannt,
Der Flügel Deiner Thüre wird Sonnenlicht genannt.
Die Wange hat den
Strick von Deinem Haar gefühlt,
Deßhalb wird Hyacinth verwirrter Kopf genannt.
Es wird Dein
Wimperndolch das blanke Schwert Ali's,
Und Deine Wange wird Osman's Koran genannt.*
Ich möchte wissen wen
der holde Mond erleuchtet,
Der nächtlich ausgeht und Ausläufer wird genannt.
Der Augen Thränenstrom
verheerte Baki's Herz,
Die überschwemmte Welt wird Sündfluthmeer genannt.
* Das Schwert Ali's und der
Koran Osman's
sind zwey in der Schatzkammer des Sultans
aufbewahrte Kleinodien
38.
Die Wange frischem Rosenblatte gleicht,
Der Mundrubin dem reinsten Weine gleicht;
Der Glanz des
Liebesmaals auf meiner Brust
Dem hellsten Glanz der Weltensonne gleicht;
Die Thürschwell' ist
der Tempel Salomon's,
Und Dein Gesicht dem Tempel Mekka's gleicht;
Dein schwarzes
Lockenhaar der finstern Nacht,
Der Wangen Licht dem Schein des Mondes gleicht;
Die Welt ist Trug, o
Baki, trau ihr nicht,
So Freud' als Leid' nur einem Traume gleicht.
39.
Sind gleich trunken diese Wimpernspitzen,
Sind sie scharf doch Herzen aufzuritzen;
Während Du auf
Schönheitspolstern schlafest,
Lärmt Geheul das Volk auf von den Sitzen;
Stadtaufrührer haben
uns verbrannt,
Stadt und Land mit ihres Brandes Hitzen.
Venus spielt die Laute,
Sol die Trommel,
Sollen Sonnestäubchen müßig sitzen?
Nicht aus Gram sind
Rosige verschlossen,
Knospen pflegen, Baki! so zu sitzen.
40.
Das gelbe Blatt, der Thau, der auf Narzissen ist,
Nur Gold und Silber zu des Armen Füssen ist;
Die Nachtigall beginnt
das Vogelbuch* zu lesen,
Seitdem das Rosenbeet die Zelle Attar's ist.
Weil seinen Kopf dem
Beil des Tods mit süßem Gram
Hingab Ferhad, er Liebenden zum Beispiel ist.
Was ist's wenn
Edelstein der Thränen strömend fließt,
So geht es Jedem der wahrhaft verliebet ist.
Wenn jene Sonne
spricht: ich gehe vor dem Mond,
Wiss' Baki, daß hierzu sie wohl berechtigt ist.
* Die Vogelgespräche, das
berühmte Werk
des großen mystischen Dichters Scheich Attar
41.
In Deinem Gau die Flur des Paradieses ist,
Was Prediger beschreiben hier zu schauen ist;
Huris und der Kewßer
bedeuten Wein und Schöne,
Zur Liebe und zum Trunk bereit hier alles ist.
Des Mundes Kraft belebt
die Todten, heilt die Kranken,
Die Weisheit Lokman's, Isa's Hauch hier thätig ist;
Die Locke beuth die
Hand das Stirnenhaar verbergend,
Des Herzens Schatz bald hier bald dorten ist.
O Baki! hüthe dich vor
dem Gespräch der Gleißner,
Denn was du thust nur dem Herrn gefällig ist.
42.
Dein Harem ist Edens Garten werth,
Deiner Schwelle Dach des Himmels werth;
Wenn Dein Wimperndolch
die Brust durchbohrt,
Ist es Wohlthat eine Seele werth.
Dringen Deine Pfeile in
die Brust,
Ist ein jeder wohl Gebeine werth;
Ist mein Angesicht
gleich gelb wie Gold,
Ist's doch nie den Staub der Schwelle werth;
Mit der Hand das Haar
berühren, Baki,
Ist fürwahr das ew'ge Leben werth.
43.
Als Unruhheer sind Dir der Flaum, das Maal genug,
Den Degen braucht es nicht, die Wimpern sind genug;
Was braucht es Flaum
und Maal, um Unruh' zu erregen?
Zum Fang der Herzen ist der Wangen Roth genug;
Schau' unter Deinen Fuß
auf mich im Staub hernieder,
Daß Du mich wegwarfst ist mich zu erhöh'n genug;
O Herz! ist es dein
Zweck den Königsaar zu jagen,
So ist ein Blick des Falken deines Muth's genug;
Mit Goldstoff schmückt
sich nicht der Mann von Kopf und Herz,
Dem Weisen, Baki, ist ein Wort, sagt man, genug.
44.
Es bläst der Seufzer Wind, der schwache Leib erzittert
Wie von dem Herbstwind Blatt auf Flurenplan erzittert;
Das Herz verlangt Genuß
von einem zarten Leibe,
Der eine Zeit wie frische Mandelsulz erzittert.
Sobald des Glases Mond
erscheint in diesen Hallen,
Schieß' ich Kanonenseufzer daß die Erd' erzittert.
Dem Fische gleich, der
aus der Fluth in Staub gefallen,
Aus Furcht vor Seinem Schwert die Seel' im Leib' erzittert.
Vom Wein, dem
gestrigen, bist, Baki, du betrunken,
Das Glas in deiner Hand Syringen gleich erzittert.
45.
Ob Herzensraub beginnt Er Schur nur anzufachen,
Trag' ich ihm's* an, pflegt er Liebkosungen zu
machen;
Der Königsaar kann sich
mit mir im Flug' nicht messen,
So hoch pfleg' ich den Flug nach Lockenspitz' zu machen.
Wenn ihrem Wuchs gemäß
die Palm' anmuthig ginge,
So würde sie dennoch beschämt der Ceder Anmuth machen.
Sag' ich am Weg ich
will nur Sein Betragen sehn,
Will dieser Schelme doch anmuthig Halt nicht machen.
Gräm' dich, o Baki!
nicht ob Seiner Locken Banden,
Er gab sie um von Fremden Unterschied zu machen.
* Das Herz
46.
Wenn dein Gram vertraut der Seele wird,
Thrän' und Seufzer dann Vertrauter wird.
Lanzenspitze die Sein
Haupt geseh'n,
Ausgezeichnet von dem Volke wird.
Thräne hat eröffnet
mein Geheimniß,
Thräne die am Herzen zum Verräther wird.
Wuchs des Freundes ist
der Zweig der Leiden,
Dessen Frucht zum Reiz, zur Anmuth wird.
Solche Lieder, Baki,
gibt's nicht viel,
Weil des Wortes Perle selten wird.
47.
Den Dolch beschreibt der Schöne rastlos mir,
Das ist der Anmuth Schelm liebkoset mir.
Es dürstete
das Herz nach dem Genuß,
Der Durst ward durch das Schwert vertrieben mir.
Halsband und
Ohrring küssen Ohr und Nacken,
Sich zu erlösen aus dem Haar-Revier.
Die Lippen
küssen sich als zwey Rubinen,
Um Wortesperlen auszustreuen hier.
Durch den
Vergleich des Maals mit Moschusblasen
Hat Baki manches Hirn durchdüftet schier.
48.
Der von Deinem Gram Betroffne
Was der Schmerz sey weiß,
Weil den Zustand eines Kranken
Nur der Kranke weiß.
Liebender des Angesichtes,
Der wie Thränen läuft,
Das Geheimniß von dem Wege
Wahrer Liebe weiß.
Nur wer für die Rosenceder
Heiß in Lieb' entbrannt,
Was im Rosenbeet der Welten
Unglück heiße, weiß.
Wer gefangen von dem Schmerze
Harter Trennung ist,
Was die Bitterkeit der Seele
Sey, allein er weiß.
Was aus Lust nach Seinen Locken
Alles Baki litt,
Nur der Sclave in den Banden
Wahrer Liebe weiß.
49.
Als Herrschaft übte wie der Wimpernpfeil der Dolch,
Kam durch der Reize Schwert ganz außer sich der Dolch;
Die Lilie auf der Flur, der Neumond an dem Himmel,
Sie ziehen wider Feind des Glaubens Schwert und Dolch.
Des Feindes Körper sey in Blut ganz eingetaucht,
Den Sieg vollende in dem Hain Syringendolch!
Der Himmel streute auf den Pfad des Schehinschah's
Aus dem Juwelengurt des Neumond's goldnen Dolch.
Gekommen ist die Zeit, o Baki! zum Gebeth,
Den Vers des Sieges lern' auswendig Zungendolch.
50.
Vom Freunde Pein und Qual als Huld und Gnade kömmt,
Von And'ren Lieb' und Treu' als Schmerz und Leiden kömmt;
Die Trennung von dem Freund hat mich gar sehr geschwächet,
Ich soll's nicht fühlen, daß als Tod die Trennung kömmt;
Es reizt der Weltenschatz das Heer der Liebenden,
Indem er als Panier anmuthig schwankend kömmt;
Seitdem das Herz voll Blut aufwallt von Deiner Trennung,
Auch zu dem Quell' des Aug's das Blut in Strömen kömmt;
In welche Stadt der Schah der Liebe, Baki, kömmt,
Dorthin mit ihm das Heer des Grams, der Leiden kömmt.
51.
Was thut es, daß auf Bergen fiel die Pinie?
Daß Buchs mit Lieb' umschlang den Hals der Pinie?
Warum ist sie als Narr gefallen in's Gebirg',
Wenn Deinem Wuchs sich nicht ergab die Pinie?
Das Wasser ruhet nicht, es will den Fuß ihr fesseln,
Weil, wenn sie frey, sich stets empört die Pinie.
O, schlanke Palme! zeig' des Ganges Reiz und Anmuth;
Zu Dir, zum Meister, geh, o Ceder! hin die Pinie.
Es zehret Baki sich in Lust nach Cedern auf:
O Gott! wie kann fruchtloses Herz sich nah'n der Pinie?
52.
Wann um's Glas die Vagabunden
Geh'n wie Stern' am Dom, dem runden,
Keines Mondgesichtes Brau'n,
Werden Deinen gleich befunden;
Auch der Vollmond muß Dir weichen,
Der nicht scheint in finstren Stunden;
Seel' und Herz sind Deine Sclaven,
Nimmer können sie gesunden.
Niemand fliegt wie Baki's Falke,
Voraus flieg' er unumwunden.
53.
Wiewohl des Heil'gen Sack Geheimnißspeicher ist,
Dem Trunk'nen doch das Glas der Lichter Aufgang ist;
Wenn bey dem Festgelag der Becher Knospe ist,
Des Schenken Wangenschein Granatenblüthe ist;
Nicht jeder Bettler kennt den Brauch von Dschem's Gelage,
Denn hier ein and'rer Brauch und Fürstensitte ist.
Wenn sich Dein Wuchs durch Liebe beugt zum C,
So wisse, daß der Herr des Geldes Cäsar ist.
Von diesem Götzen nimm, o Baki! einen Kuß,
Und schweigt er, wiss', daß Schweigen Zugestehen ist.
54.
Winde Deine Perlenstreuer sind,
Locken meines Fußes Fesseln sind.
Sey, o Schah, nicht stolz auf Deine Schönheit,
Schönheitssonnen schnell vergänglich sind.
Meines Freundes Ahorn und Cypresse,
In dem schönsten Maß gewachsen sind;
Gleich dem Ebenmaße meiner Verse,
Deren Mitten kaum bemerkbar sind;
Baki wünsch' der Liebe Lasten nicht,
Weil dieselben unerträglich sind.
55.
Er trinkt vom Strom des Nichts zuletzt, und geht
vorüber,
Der Fromme durch das Unglück schwimmt und geht vorüber,
Ihn kümmern in dem Glas voll Wein die Blasen nicht,
Denn als erfahrner Mann sieht er's und geht vorüber.
Durch Dein Gemählde wird das Volk der Welt betrogen,
Der Weltenmahler zog gar seltne Farb' darüber;
Es geht des Festes Gast nicht den Genuß vorüber,
Er trinkt vom Glas des Nichts, und geht zuletzt vorüber.
Du meinest, Baki, Wasser fließe in die Seele,
So schnell geht Seiner Wimpern Dolch das Herz vorüber.
56.
Nach einem Weltenbrand und Schelm das Herz verlangt,
Der in der Liebe Gluth ganz aufzugeh'n verlangt;
Von Deinem Lockenband befrey' die arme Seele,
Der Liebe Sclav' nicht Fessel und nicht Band verlangt;
Des Herzens Vogel sitzt auf jedem Ast nicht auf,
Indem er hohen Zweig wie Freundeswuchs verlangt;
Es hat der Tage Gift mir den Geschmack verbittert,
Dem Liebenden den Zucker von dem Mund verlangt.
Ist's Baki's Wunsch den Silberleib an sich zu zieh'n,
Ist's, weil nach solchen Silberketten er verlangt.
57.
Biegt sich Dein Augenbrau', das Stirnenhaar zum Ohr'
zieht;
Fürwahr! die ganze Welt gehorsam Dir das Ohr zieht;
Wenn sich der Mond, der in des Himmels Höhe strahlet,
Bewegt, er Deinem hohen Wuchs als Sclav' das Ohr zieht;
Was Du als Mondhof schaust ist nur der Silberring,
Den sich die Welt als Sclav' der Wangen an das Ohr zieht;
Das Haupt beugt selbst Dschemschid dem Schwerte Deines
Grimms,
Vor Hufen Deines Pferd's Darius ein das Ohr zieht.
Laß, Baki! nur die Feind' ausstrecken ihre Zungen,
Weil wenn Dein Nahm' erscheint, ein jeder ein das Ohr zieht.
58.
Bartflaum und Maal und der Locken Geringel darüber,
Sind ein Diplom und verzogener Nahmen darüber,
Friede gibt nimmer das Maal auf den rosigen Wangen,
Denn durch dasselbe geht aller darunter, darüber;
Schaue das Glas und die Arme, die weißen, des Schenken,
Ist es nicht Rose und blühende Zweige darüber?
Liebende seufzen den Lasten des Unglücks erliegend,
Aber Nichts gehet den armen Gefallnen darüber.
Freue dich, Baki! noch ehe der Himmel sich drehet,
Während noch grünen die Fluren mit Wärme darüber.
59.
Morgen aufdämmert, du bringe den Wein,
Rosenzeit ist's;
Fülle den Becher mit lauterem Wein,
Wollustzeit ist's.
Buhlt mir zum Trotze mit Feinden der Freund,
Trauert das Herz;
Weine ich Blut, so bedeutet es nichts,
Eiferzeit ist's.
Klagendes Herz hat erlitten von Dir
Unglück gar viel;
Hör' wie es stöhnet wie Flöten aus Weh,
Klagezeit ist's.
Lange bewahrte ich Liebe mit Treu',
Immer der Brust;
Seufze ich jetzo, so schmähe mich nicht,
Trennungszeit ist's.
Leiden gar viele erduldet das Herz
Baki vom Haar;
Weh! in dem Lande der Gauern, o weh!
Leidenzeit ist's.
60.
Nach Gold, Rubin, der Liebe Mann nicht lüstern ist,
Das Roth, das Geld des Angesichts zur Zier ihm ist.
Die Reih' der Seufzer und des Grams ist unerträglich;
Der Fluren Ton Gewein der Nachtigallen ist.
Beth' ich an Freundes Thür, so schmäht der Nebenbuhler,
Was dem Gesichte anklebt, der Staub der Schwelle ist;
Als Gold legt selben auf's Gesichte der Lobende,
Denn Gold und Staub für ihn von gleichem Werthe ist.
Entstellt Unwissender dein Wort, sey ruhig, Baki!
Weil es für Wachsame doch Augenschminke ist.
61.
Frischer als Rosen die Wange, die tulpige, ist,
Welche, verstehe das Bild recht, die farbigste ist.
Für Melodien des Vogels des Herzens fürwahr
Wange der Rose vortrefflicher Uebungsort ist.
Glaub' mir, Beschauliche nehmen nicht Staub in die Augen,
Was sie verwirret Geheimniß der Lippen nur ist.
Wer zum Genusse des Wuchses der Schönen gelanget,
Der ein vollendeter Mann, o Beschaulicher, ist.
Wasser der Schönheit ist's, welches ihm geht an die Lenden;
Glaube nicht, daß es der Gürteldolch Baki nur ist.
62.
Die Wang', o Knospenmund!
Eigenes Rosenblatt ist;
Wer lange schaut das Haar,
Duftend von Wohlgeruch ist.
Verlang' ich Wangen bloß,
D'rob sich zu wundern nicht ist,
Weil Rosenwangenmund
Blüthe des Pfirsiches ist.
Es haben Flaum und Maal
Viele verwirret gemacht;
Was mich zum Narren macht,
Haar das verkettete ist.
So hart behandelt mich
Laune der kreisenden Welt,
Daß ich gar glauben muß,
Daß sie ein Mondgesicht ist.
Gefallet dein Gedicht,
Ist's zu verwundern sich nicht,
Weil Baki's Lied nicht Vers,
Fließendes Wasser nur ist.
63.
Deine Wange wie die Sonne glänzend ist,
Deßhalb Markt von Deiner Schönheit glänzend ist.
Sonne soll mit goldnem Stoffe nimmer prangen,
Seit das Kleid von deiner Schönheit Mode ist.
In dem Schönheitsgarten bist Du frische Knospe,
Bist ein Rosenblatt, dem Thau geworden ist.
Wein des Tod's wird von des Schönen Dolch gewässert,
Dem die Seele hinzuopfern lieblich ist.
Stein der Weisen ist der Staub des Weinverkäufers:
Flieh' ihn nicht, indem er ein Beglückter ist.
64.
Tausend Befang'ne des Grams auf einmahl Er tödtet,
Schöner, der milde nicht ist, nur die Liebenden tödtet;
Jene, die suchen den Schatz des Genusses, der Drache
Mittelst der Angeln des Haar's, des geringelten, tödtet.
Liebende tödtet das Auge durch Reize des Winkens,
Wie mit dem Schwerte Rustem die Gefallenen tödtet.
Ohne die Wimpern die Räuber der Seelen, die blut'gen,
Werden die Liebenden bloß von den Locken getödtet.
Baki, du bist in den Klauen des Panthers des Grams,
Der dich, wenn Hülfe der Gnade nicht eilet, ertödtet.
65.
Liebenden Schauplatz die Schönheit, die herrliche, ist;
Trunkener Weiser dem Schönen zum Schauspiel nur ist.
Becher ist schlechter Gefährte, verführet vom Wein;
Rose, die schelmische, Zierde der Trinkenden ist.
Ohne zu scheu'n sich verheeret der Ostwind die Fluren;
Rose die Tafel des Raub's bey dem Frühlingsfest ist.
Veilchen sind Zeilen des Ehrendiplomes für Trinker,
Und Hyacinthe der Zug, der verschlungene, ist.
Schön sind der Sinn und die Worte von Baki's Gedichten,
Dieses die Ursach' des Neides von Anderen ist.
66.
Das Herz an Lockenspitz' des Freund's gebunden ist,
Vom Liebesreiz des Aug's die Seel' erkranket ist.
Es tödtet Tausende in einem Augenblick
Blutdürst'ges Auge, das ein Menschenjäger ist.
Vom Schmerzenwinkel kömmt zuletzt des Herzens Nachen
An's Ufer doch, wenn ihm der Wind nur günstig ist.
Umarmen will ich nicht, ich will Dich sehen nur,
Wiewohl der Sehnsucht Meer stets ohne Gränzen ist.
Im Haus der Phantasie, bey dem Getön' der Freude,
Der Ton von Baki's Kiel ein seltnes Schwirren ist.
67.
Wenn der Wind den Staub des Freundes bringt,
Er für Beschauende die Schminke bringt.
Schauet
Sina's Mahler diese Pracht,*
Er erstaunt zum Mund den Finger bringt.
Wenn das
Herz sich Seines Mund's erinnert,
Es Rubin von Bedachschan** herbringt.
Sehnsuchtthräne färbt die Wangen blutig,
Blut'ger Wein das Blut auf Wangen bringt.
Baki, denke
nicht an Seine Locke,
So die Weisen in Verwirrung bringt.***
* Den
Farbenschmelz des Gemähldes der Schönheit der Geliebten.
** Als Kaufmann von Osten
*** Wörtlich: Welche den Verstand, der sich sammelt,
zerstreuet.