Gedichte im Islam
Gedichte des Baki
Ghaselen aus dem Divan

von Baki übersetzt von Joseph von Hammer-Purgstall

Der Buchstabe He
(Ghaselen 160-180)

160.
Ich sehn' mich nach des Liebsten Lockenbanden;
Es sprenget, närr'sches Herz! der Ketten Banden

Der Schmetterling, der blind umfliegt das Licht.
Schau' wie der Becher kreis't von Hand zu Handen!

Wir lobten Lippenkreis, o Schenkenabt!
Seitdem wir gläubig uns bey dir einfanden.

Du, der du suchst die Welt, erwach' vom Schlummer,
Vom Wahn, daß Andere hier Ruhe fanden.

Bey Baki dringt nicht ein dein Rath, o Frommer!
Weil Zauberformeln nie noch Trunk'ne banden.

161.
Auf Becher bin ich trunken diese Nacht gefallen,
Der Schenke sprach: Du bist auf Rosen hingefallen.

Aus Furcht, daß in der Brust die Wimpern sitzen bleiben,
Siehst du der Zweige Pfeile zitternd niederwallen.

Als Tänzer auf dem Seil' ist Liebreiz aus den Wimpern
Durch Lockenreif auf Wimperndolche hingefallen.

Der Wangen Schönheit soll mit goldnem Kiel die Sonne
Auftragen auf den Mond, wenn er uns soll gefallen.

Wer schaut den Flaum auf süßen Lippen, Baki! glaubt,
Er sähe Zuckerschrift auf Torten hingemahlen.

162.
O Herz! ich hielt die Nachtigall in Lust gefangen,
Doch Unglück fiel als Nachtthau auf der Rosen Wangen.

Die Rosenknospe zeigt Schirin's gefärbten Mund,
Die Tulpe thut Ferhard's verbranntes Inn'res kund.

Ich sage: gib, o gib mir, Liebster! einen Kuß;
Von Leila's Pfirsich ward Medschnunen ja Genuß.

Du hörtest von Huri, Kewßer, in jener Welt,
Wer ist's der höher sie als Wein und Mädchen hält?

Vor allen, Baki! sey dir dieses Wort bevor,
Es ist mein guter Rath, du leihe ihm dein Ohr.

163.
Durch Thränenfeuchtigkeit ist Herzensbrandmaal frisch,
Durch Rosenwangen sind die Rosenbeete frisch;

Doch frisch ist auch der Gram, die Pein von Trennungstagen;
Im Monde Moharrem wird Mond des Brandmaals frisch.

Er legte Baumwoll' auf des Busens blut'ges Maal,
Das sich verwandelte in eine Rose frisch.

Der Herzen Kenner zu gewinnen sey der Schöne,
Wie Baki's Lied, ein Schalk, voll Schelmerey'n und frisch.

164.
Was ist es, wenn das Herz in blut'gen Dolch verfällt,
Wenn Wimpernpfeilen bloß die Seele ist gestellt.

Das närr'sche Herz begibt sich in der Locken Ketten,
Weil es als Narr sich dieses Dienstes würdig hält.

Das Herz ist Sclave an der Thür' des Sclavensohn's;
Es hatt' der Bettler sich geweiht dem Herrn der Welt.

Wenn Er im vollen Staat des Morgens geht vom Haus,
Die Sonn' in ihrer Bahn mit Ihm nicht Schritte hält.

Die Seele streute Baki aus um Ihn zu gürten,
Als Derwisch band er sich sein Habe um im Belt.*

* Der Gürtel, worein der Derwisch alles steckt, was er besitzt und bey sich trägt, nämlich: Rosenkranz, Trinkschale und Rückenkratzer.

165.
Willst Du ein Rosenbeet! die Schenk' ist das!
Willst Rosen Du? Du findest sie im Glas!

Der Schmetterling genießt die Flamme nicht,
Bis er der zehrenden nicht wird zum Fraß.

So bald Er sah ich sey ein Staub des Weges,
Er mit dem Fuß nicht mehr den Weg durchmaß.

Wer Seines Pferdes Huf mit Wang' anrührt,
Ist einzig in der Welt, der Er vergaß.

Die Verse Baki seyen zugeschnitten,
Nach zartem und nach kriegerischem Maß.

166.
Der ew'gen Weisheit Kiel schrieb auf das Blatt der Rose,
Daß weinend Nachtigall mit Rosen immer kose.

Die Rose hat die Nachtigall so sehr mißhandelt,
Daß auf der Flur der Schweiß im Thau entquoll der Rose.

In Deinem Haar, o Rosenantlitz! ist die Seele,
Ein Faden, der zusammenhält das Werk, das lose.

Der Baumwolldocht von meines Busens Wunden ist
Jasmin, der sanft zu ruhen pflegt der Nelk' im Schooße.

Wenn auf der Flur, o Baki! tönt des Wein's Gekose,
So singt als Nachtigall der Sänger Vers und Prose.

167.
Wenn des Fußstaub's Kohol auf mein Auge fällt,
Ist mein Kopf zum Dienste Deines Wegs bestellt.

Meine Nächte leuchten mehr als meine Tage,
Seit der Seufzer Fackel meine Brust erhellt.

Sprüh'n auf meinen Staub die Wimpern Wasser einst,
Wird die Stätte meines Grab's zum Rosenfeld.

Augen hüthet man vor Staub, mich vor dem Thor,
Meiner Seufzer Rauch verhüllt das Sternenzelt.

Während Baki sein Derwischenthum* besingt,
Haben Wimpern Perlen zu dem Wort gesellt.

* Das Derwischenthum spielt hier auf den Thor- oder
Pfortendienst des Schönen an,
indem Der, Thor, und wesch, wie heißt;
Derwisch gleichsam Thorwisch.

168.
Man trug des Wuchses Lob dem Lebensbaume vor,
Er sah den Cedernleib und neigte sich davor.

Wenn Moschusrehe aus Choten das Feld durchstreift,
So streift es, durch Dein Haar verwirrt, als armer Thor.

O zartes, schönes Kind! es weiß nur Gott der Herr,
Wie viele Seelen man zu säugen Dich erkor.

Was ist's, wenn Seine Liebe nach der Sonne greift,
Der Finger stellt den Neumond, Hand den Vollmond vor.

Es hätte Baki's Arm den dünnen Leib umschlungen,
Läg' nicht der Dolch, der Blut vergießt, im Gurt davor.

169.
Die Sonne nehmt und schaut nach Seines Sternes Stelle,
Sagt, wer verlacht beym Herz das Ambrahaares Stelle?

Wenn Nebenbuhler seh'n daß ihrer zürnt der Freund,
So schimpft ihr Zorn die Liebenden an Seiner Stelle.

Hoff' nicht an Seinem Thor Mitwerberplatz, o Sofi!
Man bindet dich nicht einmahl dort an Esels Stelle.

Was erst wenn ich als Papagey im Käfig bin,
So lang des Mundes Lob vertritt des Zuckers Stelle;

Der Stein der Schwelle und der Staub von dem Harem,
Dient Baki's krankem Herz an Pfuhl's und Polsters Stelle.

170.
Wer schaut des Schönheitsschahes Augenbrauen,
Glaubt von dem Glück beschattet sich zu schauen.

Von Fremden habe ich das Haus geleert,
Um deiner Liebe Gram d'rin anzubauen.

Verspott' mich nicht wenn ich die Formen liebe,
Die so zu mahlen Mahler sich nicht trauen.

Für Liebeswein verzehrte einst Kais* das Leben,
Beglückt wer's wagen darf auf solches Pfand zu trauen.**

Der Schenk' vergoß des Weines viel im Kreis des Liebsten,
Doch brauchet es noch mehr Mitbuhler zu bethauen.***

Wie Baki mahlet Deine Schönheit Keiner hin,
Denn nirgends ist ein Blatt so feiner Schrift zu schauen.

* Medschnun, dessen ursprünglicher Nahme Kais war.
** Wörtlich: Dem Betrüger dieses schmählichen Festes.
*** Noch eine Kanne, dieselbe dem Nebenbuhler auf den Kopf zu gießen.

171.
Ist's auch, daß Wein kam in's Rubinenauge,
So sieht man keine Blasen doch im Auge.

Als Schuppen fallen Sterne in den Staub,
Ihn einzustreichen als Kohol dem Auge.

Was fällt im Regen denn vom Himmel nieder?
Dein Fußstaub ist's, der Wolken flog in's Auge.

In blut'gen Thränen fließt der Wein aus Schmerz,
Dem Braten kömmt das Feuer in das Auge.

Wach', Baki, auf, der Frühling ist nun da!
Narcissen kömmt des Rausches Schlaf in's Auge.

172.
Widerschein der Wangen in dem Wein
Strahlt wie in dem Schlaf des Mondes Schein.

In dem Munde ist die zarte Zunge
In der Knosp' als Blatt gehüllet ein.

Ueber Deinen Brauen strahlt die Stirne
Wie die Lamp' an des Altares Schrein.

Seufzerblitz erscheint als Herzensfunken
Goldne Schrift dem Schwert geschmelzet ein.

Noth ist es an Deiner Thür zu seufzen,
Baki soll deßhalb entschuldigt seyn.

173.
Nun wird die Waare des rosigen Weines geachtet,
Weg mit den gleißenden Stoffen die man nur verachtet.

Becher mit köstlichem Weine von Neuem gefüllet,
Sind jetzt die Nachen mit Wollust und Freude befrachtet.

Becher voll Weines zu leeren taugt nicht dem Efendi,
Der mit papierenem Kahn in dem Wasser verschmachtet.

Was uns die Prediger sagen von Freuden des Himmels;
Wird in dem Kreis als das Ziel des Vergnügens betrachtet.

Baki beritten mit dem Muth auf dem Gaul der Natur,
Schaut unter sich der Beredeten Herzen umnachtet.

174.
Nichts hat Bestand im wüsten Weltenreich,
Ein Tausend Jahr, ein Augenblick, sind gleich.

Sey nicht wie Knospen eng zur Rosenzeit,
An Lust und Wollust sey die Jugend reich!

O Weiser! läugne nicht des Weines Nutzen,
Wenn auch der Weisheit Buch ihn tadelt gleich.

An Deiner Thür hat keine Wahl das Seufzen,
Unschuldig bin ich, Herr! Gezwungenem gleich.

Was in dem Osten Baki Sonne wähnt,
Ist Wangenwiderschein im Glasbereich.

175.
Eh Mondfahn' wurde aufgesteckt am Himmelsbogen,
War schon die Welt dem Geld des Herrn der Lieb' gewogen.*

Es waren Seinem Wort die Wesen unterthan,
Und des Ferman's Tughra ward von den Brau'n gezogen.

Des Gartens Ceder gleicht nun dem Jasminenleib,
Weil die Jasminen sich um ihren Stamm gebogen.

Der Mensch kann tragen nicht die drey Mahl drey** des Himmels.
Er wird zuletzt im Rausch um den Verstand betrogen.

Die Reu', o Schenk! ist leicht, doch fürchte ich,
Ich werde zu dem Wein vom Silberarm gezogen.

* Wörtlich: Ward königliche Münze geprägt
auf den Nahmen des Sultans der Liebe.
** Die neun Gläser der neun Himmel, mit welchen
das Schicksal den Menschen berauscht; auch hier
ist die Neunzahl eine heilige Becherzahl, wie beym Horaz.

176.
Ein Kind in seiner Amme Schooße
Ist noch unabgepflückt die Rose;

Und frisch noch wie des Freundes Lippe
Verschonte sie die Welt, die lose.

Es strömt der Wein im Ueberfluß
Zum Schenkenkuß und Liebgekose.

Der Rebe Tochter trägt das Glas
Als Silberreif auf rother Hose.

Zwey Dolche, Baki! hält bereitet,
So rechts als links das Aug', das lose.

177.
Rosenzeit und Trinkzeit ist's nun wieder,
Zeit der Flur des Feld's, des Haines wieder.

Hyacinthenmusk und Rosenschminke
Schmücken nun der Erde Wangen wieder.

Rosenbeet ist Abglanz von dem Himmel,
Und Narcissen sind die Pleias wieder.

Lass' die Welt und trink' ein Glas voll Wein;
Wisse, eine Welt ist diese Welt.

Durch Beschreibung Deiner Zuckerlippen
Ist nun Baki süßer Psittich wieder.

178.
Begnüg' dich Rose Ihm den Fuß zu küssen,
Weil's nicht erlaubt ist Ihm die Hand zu küssen.

Mein Seufzersturm zerstört den Weltenbau,
Weil alle Bauten Stürmen weichen müssen.

Die Ros' ist Unglück; du entsag', o Herz!
Und höre auf den Lockenring zu grüßen.

Es steh'n die Minares vor den Moscheen,
Weil Deinem hohen Wuchs aufsteh'n sie müssen.

Wiewohl Dir Baki, Herr! das Glas nicht bringt,
Ist ihm die Brust von Deinem Gram zerrissen.

179.
Wenn das Nachtkleid nimmt die Unruh' an den Busen,
Seh' ich wie der Mond sinkt in des Kleides Busen.*

Turteltaube stöhne nicht umsonst des Morgens,
Abends sitzest du in der Cypresse Busen.

Warum weinst du nächtlich von dem Himmel Thau?
Fällst Du nicht zuletzt in schlanker Rosen Busen?

Dich zu loben that ich Versregister auf,
Aber wer nimmt alle Muscheln auf im Busen!

Wangensehnsucht füllet Baki's Brust mit Brandmaal,
Und das Brandmaal steckt als Ros' er sich am Busen.

* Das Nachtkleid nimmt den Geliebten an seinen Busen,
der in dasselbe sinkt, wie der Mond
einst in Mohammed's Busen sank.

180.
Es fallen trunkene Narcissen
Beym Fest als Sclaven Dir zu Füßen.

Es dienen Viele Deinen Locken,
Von ihren Banden fortgerissen.

Verdienst kommt nicht in unsren Tagen;
Du lach' nicht ohn' warum zu wissen.*

Er kömmt nicht mehr in diese Kreise,
Seit er dem Scheich hat folgen müssen.

Den Bund** schlug Baki mit dem Stock,
Weil er dem Gau entsagen müssen.

* Wörtlich: Vernünftige lachen nicht umsonst.
** Dem Derwischenbund.

181.
Nimm, Götz! das Herz, ein Kloster stift' zu Deinem Besten!
Um einen Kuß verkauf' ich Dir's zu Deinem Besten!

Im Thränensilbermeer des Aug's Rubinen
Schau wie der Nachen wogt im Ocean im größten.

Der Hauch verleihet Geist wie des Messias Odem;
Hauch', wenn ich sterbe, Leben ein der Asche Resten.

Gib auf die Seele wenn das Bild des Freundes kömmt,
Dann ziemt's allein zu seyn, belästigt nicht von Gästen.

Ergreif' das Gute, hör' die Verse Baki's an,
Nimm, Götz'! das Herz, ein Kloster stift' zu Deinem Besten!

182.
Das Weinglas küßt den Mund, die Hand (auf der es ruht),
Wenn ich nicht sterbe trink' ich Blut auf Blut und Blut.

Wenn Er im Kreis der Liebenden vom Glase trinkt,
So ist's kein Wunder wenn die Lippen färbet Blut.

Beym Fest des Weins, mein Schöner! gibt es immer Blut,
Den Wimperndolch im Rausch zu ziehen ist nicht gut.

Das Herz verrieth der Welt durch Klagen sein Geheimniß,
Als Narren schimpfet uns die Welt mit bösem Muth.

Nun ist die Zeit der Lust! entsage allem Gram,
Mit Rosenschenken trink', o Baki! Rosenblut.

183.
Zum Himmel steigt des Inn'ren Funken
Um und um;
Es fallen in den Staub die Thränen
Um und um.

Wie Phantasien* brennen arme
Liebende,
Verbrennen sich im Liebesfeuer
Um und um.

Auf Deines Grames Polstern schlafen
Augen nicht;
Es dreh'n sich Seufzer bis zum Morgen
Um und um.

Es geht das Aug' im Thränenmeere
Nachen gleich,
Es geht mein Abgott in dem Wirbel
Um und um.

Wie Baki Thränen immer bohret
Mit dem Aug',
So bohret auch der Himmel Perlen**
Um und um.

* Wie die Leuchte der Phantasie.
** Die Sterne.

184.
Oeffnet sich wie Knospen Mundrubin,
Streut der Lenz auf Fluren Türkis hin.

Nehm' zusammen ich des Pred'gers Rath,
Wein und Lenz und Lust sind der Gewinn.

Wie viel Blut die Welt mir eingeschenkt,
Zeigt sich aus des Herzens Brandrubin.*

Süß ist Qual des Unbarmherz'gen, Störrigen,
Faßt das Herz der Reize Schelmensinn.

Geht das Glas als Ros' im Kreis, o Baki!
Sinkt der Freund in unsre Arme hin.

* Wörtlich: Würde sich zeigen,
wenn das Brandmaal meines Herzens
sich wie Tulpen aufschlösse.

185.
Den Schmerzenswein genoß Emir nicht, nicht Wesir,
Es frage mich darum allein nur der Fakir.

Der Liebe Hefen ward in Eden ausgestreut,
In Ambra und im Quell Kewßer, so scheint es mir.

Den Bau der Liebe untergräbt die Sündfluth nicht,
Der Allmacht Becher sorgte längst dafür.

Die Jugend ist dahin! wann werden wir gerad!
Die Last der Liebe hat gebeugt den Rücken mir.

Was denkest du, o Baki! an Ernied'rung hier,
Da Seine Huld gegeben ward zum Leiter dir?

186.
Hält er den Becher voll Weines
Frischen Rosen gleich,
Scheinen die Arme des Schenken
Rosenstängeln gleich.

Schenke! von deinem verklärten
Wangenwiderschein
Leuchten erhellet die Kreise,
Sonnenstrahlen gleich.

Vogel der Seele zu jagen
Hat er's angeleget,
Brauchet die Augen, die schwarzen,
Zweyen Falken gleich.

Mitten im Strome der Thränen
Scheint mein gelb Gesicht,
Mitten im Strome der Wasser,
Lotosblumen gleich.

Tausend Mahl blühe der Frühling
Dieser öden Flur,
Dornlos entblüh'n nicht die Rosen,
Baki! Bechern gleich.

187.
Er ließ den schwachen Leib und ging dem Geiste gleich,
Er konnte wieder kommen nicht der Seele gleich.

Wenn sie nicht störrig ist, laßt uns zum Fuß der Ceder
Hinwerfen das Gesicht und fließen Wassern gleich.

Wiewohl Du in der Welt, o Sonn! Herrscher bist,
Bist Du doch kein Tyrann der Weltenunruh' gleich.

O Seufzer! kommst du nicht zum Ohre dieses Mond's,
So dringe doch in's Herz dem Schmerzgestöhne gleich.

Es ist dem Pfeil des Grams als Ziel gesetzet Baki,
Es hat ihn umgekehret Gott, dem Bogen gleich.

188.
Weil Laute meinem Schmerz vertraut geworden,
Ist sie vor Allen* ausgezeichnet worden.

Vom Monde ist das schöne Angesicht
Durch Brau'n und Augen unterschieden worden.

Es wußte Niemand um des Inn'ren Klage,
Bis Thräne zur Verrätherinn geworden.

Es ist das Herz von Deiner Locken Spitzen
Als einem hohen Falk' erjaget worden.

O Baki! Treue heisch' vom Monde nicht,
Denn er ist ein abnehmender geworden.

* Vor allen musikalischen Instrumenten.

189.
Wo ist ein süßer Mund, dem Mundrubine* gleich?
Wo sah der Papagey den Spiegel Wangen gleich?

Mein Herz nimmt in die Hand Dein Zauberhaar sogleich,
Es ist nicht außer Art dem schwarzen Flaume gleich.

Gar Viele sind an Wuchs und Busenreizen reich,
Doch Keiner kömmt an That und Handlungen Dir gleich.

Wer Dich umschließt, o Leib! so silberzart und weich,
Trägt in der Welt das Haupt hoch, Deinem Turban gleich.

Vom Kopfe bis zum Fuß ist Baki Lust und Liebe,
Es dünkt dem Liebenden kein Vers dem seinem gleich.

* Deinem Zucker regnenden Rubine.

190.
Süßmund'ger Götz' nahm als Ferhad die Seele* hin,
Und es ergeht das Recht nun von Chosrew Schirin.

Bey Gott! es gab, o frische Palm', ob Deinem Gang
Cypresse** sich als Sclav' dem niedern Buchsbaum hin.

O Morgenwind! du hast bewegt die Zauberlocken,
Und hast dadurch verwirrt mit Unruh' jeden Sinn.

Weil in der Trennungsnacht Vertraute sucht das Herz,
Dringt in der Nacht Gestöhn bis zu den Sternen hin.

Was ist zu thun, o Baki! bey gehäufter Qual?
Es ging Geduld wie Treue des Geliebten hin.

* Das Herz.
** Deiner Freuden Cypresse

191.
Es blies Dein Liebeswind dem Morgenwinde gleich,
Die Thränen strömten hin den Rosenblättern gleich.

In Banden Deines Haars, im Schmerzensschatze, liegt
Gebunden fest das Herz, gezähmten Löwen gleich.

Der Wangen Flaum ward bald geseh'n, bald nicht geseh'n,
Den dunklen Wirkungen des Schicksalspruches gleich.

Der Faden des Genusses kam noch nicht zur Hand,
Die Trennung hat die Brust als Perlen durchgebohrt.

Dich schwäche, Baki! nicht das alte Weib der Welt,
Tritt festen Fußes auf, sey einer Mauer gleich.

192.
Den Starrsinn läßt die selbstgefäll'ge Seele nicht!
O wehe! weh! verlege dich auf's Schmeicheln nicht!

Der Himmel ist ein Drach' mit sieben Scheusalköpfen,
Der um den Schatz der ganzen Welt im Ring sich sticht!

Wie kann derjenige je retten seine Seele,
Dem schlotterndes Gebein des Drachen Ring zerbricht?

Dem Bettler ist als Los von ewig her beschieden
Verachtung, Schimpf und Dorn, der ihm den Fuß zersticht.

Gewähre deine Huld, o Gott! dem Baki stets,
Denn ihrer kann entbehren Reicher, Armer nicht.

193.
Das Weinen treibt der Schmerz dem Wasserrade gleich,
Der Scheidung Thräne strömt dem Scheidewasser gleich.

Durch Weinen hat der Schmerz von Sinnen mich gebracht,
Das Hirn füllt blut'ge Thrän', dem blut'gen Weine gleich.

Der Liebe Brandmaal hellt des Herzens Dunkel auf,
Dem hellsten Fackelglanz der Weltensonne gleich.

Wenn Wind wegweht das Haar vom Angesicht des Freund's,
Erscheinet es den frischen Edenrosen gleich.

Damit ich die Cypress' umarmen möge, Baki!
Stürz' ich zu ihrem Fuß, der Fluth des Quelles gleich.

194.
Liebesungemach ist eignes Ungemach!
Qual und Pein, o Freund! sind mir kein Ungemach.

Hinge meine Seele an des Haares Baume,
Höb' ich, Armer! mich vom Staube allgemach.

Mit den Nebenbuhlern sey vertraut nicht Schmerz,
Alle Pein die ich erlitt ist Eifers Sach'!

Nur Verbess'rung war es, wenn das wüste Herz
Vom Tyrannenbeil zerhau'n ward tausendfach.

Huld und Seelengnade war's fürwahr bey Gott!
Als Dein Schwert den Körper Baki's ganz zerbrach.

195.
Mit dem Schlaf' hab' ich gekämpfet diese Nacht,
Und das Aug' erlag der Thränen Uebermacht.

Meinem Scheitel hat Dein Gram Rubin geschenkt,
Und mit einer rothen Feder mich bedacht.

Das Gesicht erblaßt, des Brandmaals Wunden glüh'n,
Und zum goldnen Stoff ward gelber Leib gemacht.

Maal ward blaß als es mich mit dem Freunde sah,
Solche Farb' ist Nebenbuhlern zugedacht.

Meine Klagen, Baki! tönt der Himmel nach,
Sphären hat mein Ach! in Gang gebracht.

196.
Vor Feuermaalen sieht man meinen Körper nicht,
Mich zu verbrennen findet Er ein Plätzchen nicht.

Entscheidend Wort begehrte ich von Seinem Mund,
Der, wie der Papagey, den reinsten Zucker spricht.

Ich bin der kalte Herbst, mein Ach ist Eisesfrost,
Dein Angesicht ist Lenz, aus dem der Winter bricht.

Sehnsüchtigen gewährt vollkommenen Genuß
In frischer Trennungsnacht der Flöte Fackellicht.

Als Ziel sey Baki's Herz den Wimpern ausgesetzt,
Vor denen jeder Pfeil in tausend Stücke bricht.

197.
Um Mitleid ziemt's betrübten Liebenden zu fleh'n
Bey den Geliebten die in Treue nicht besteh'n.

Es führet Deine Liebe fort mit sich die Herzen
Als so viel Ströme die zuletzt zum Meere geh'n.

Du kennst nicht Liebesqual, Du kennst nicht Liebespein,
Der Schönheit Werth kannst Du, o Unruh'! nur versteh'n.

Die Nachtigall sehnt sich nach Thauesperlen nicht,
Das Rosenbeet der Welt erfrischet Deine Thrän'.

Weil Baki immerfort den hohen Wuchs beschreibt
Ist's Wunder nicht, daß hoch der Verse Wogen geh'n.

198.
Sehnsucht nach Ihm erfüllt den Kopf mit Gram der Welt,
Wie ist vernünftig wer mit künft'gem Gram sich quält?

Reich', Schenke! uns den Hefen von dem Glas der Lippen,
Trinkt! Reine! rothen Wein, für euch nur ausgewählt.

Ich nehm' auf meinen Kopf die Pein der Moschuslocken,
Und gerne dulde ich den Schmerz womit Er quält.

Das Herz beschreibet Dir die Schmerzen meines Innern,
Doch besser werden sie von Deinem Dolch erzählt.

Was soll die Klage Baki! laß uns billig seyn,
Sey's daß dich Lust belebt, sey's daß dich Schmerz entseelt.

199.
Der Hauch des Ostwind's hat geschmelzt des Schnees Fett,
Er zündet auf der Flur Narcissenlampen an;

Glaub' nicht es schwitze auf der Flur die Tulpe Thau,
Sie wischt mit rothem Tuch den Hauch vom Mund hintan.

Wenn auf der Wangen Flur des Flaums Viole kömmt,
Nimmt Niemand mehr die Flur für einen Heller an.

Kein Wunder daß man von der Rebe Tochter spricht,
Sie strich sich ja den Fuß mit rother Schminke an.

Ich zog verflossne Nacht den Mond im Rausche aus,
Doch gab er selbst mit Reiz den Gürtel eh' hintan.

200.
Den Schatz der Brust hat Wimperndolch durchbohrt,
Der Schalk hat neue Minen angebohrt.

Die Hand wird nie so feucht wie meine Wimpern,
Wenn sie auch mühevoll Rubinen bohrt.

Aus Wimperngram entfloß der Geist dem Leibe
Als ein Gefangner der die Wand durchbohrt.

Des Himmels Pfeil ist keinen Heller werth,
Seit jener Dolch des Herzens Maal durchbohrt.

Was ist aus uns geworden? Baki! schau
Mein Inn'res, Flöten gleich, mit Ach durchbohrt.

201.
Daß eine Nacht zum Fest die Wange halte Licht,
Die Campherkerze Seines Halses mir verspricht;

Daß eines Tages noch es küsse Ihm den Fuß,
Schwer't von dem Gürtel so das Messer mit Gewicht.

Es zeuget wider Seines Armes Zwang die Liebe,*
Allein es gilt allhier erzwungnes Zeugniß nicht.

Er** hat das Nichts der Welt erkannt, den Werth von jener,
Und dem Besiegten ward des Siegers Strahlenlicht.

Der Seele, Baki! ward der Liebe Amt verlieh'n,
Und Sein Rubin als Zug des Nahmens aufgepicht.***

* Wörtlich: Der Berggräber, d.i. der Ferhad der Liebe.
** Der Liebende.
*** Als Tughra, welches gewöhnlich mit rother Tinte auf die
Anstellungs-Diplome geschrieben wird.

202.
O! liebte Welt die Rosen Nachtigallen gleich,
Blieb Mundesknospe einzig nur den Rosen gleich!

Begier nach Ambralocken ist's, o Knospenmund!
Was Liebende verwirrt, den krausen Locken gleich.

Im Busen fehlen nicht der Feuermaale Rosen,
Das Herz erstöhnt deßhalb den Nachtigallen gleich.

Das Herz fiel in Dein Haar, begierig Seiner Krause,
Darüber ward ich kraus, den krausen Locken gleich.

Halt' nicht für Blut, was du im Auge schauest, Baki!
Die Liebe kam in's Aug', dem rothen Weine gleich.

203.
Des Liebsten Schönheit ist mein Siegspaian,
Die Nachtigallen preisen Gülistan.

Des Haares Lock' ist Mondesstation,
Von Seinem Hals beginnt der Sonne Bahn.

Das Aug', das in den Staub des Weges fällt,
Erblaßt vor dem Sürme von Ißfahan.

Wie tief, wie tief, ach! ist mein Herz gefallen,
Als es den Brunn im Kinne staunte an.

Ergib dem Trunke und der Lust dich, Baki!
Weil unbeständig wogt der Zeiten Kahn.

204.
Schenke! weil Gespräch nicht immer dauert,
Reich' uns rothen Wein, der Eden dauert!

Träumend küßte ich des Liebsten Lippen,
Und im Hirne die Erinn'rung dauert.

Mich ermordete die Trennung; Hülf!
Hülf! so lang im Leibe Wärme dauert.

Nimmer will ich weinen über Schwäche,
Während Kraft sie zu ertragen dauert.

Baki sterbe! sey gesund mein Schah!
Während Glück und Gott als Freund Dir dauert.

 

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